TV-SENDUNG • WZ > Mai 2026
Zur Debatte um Israel – Palästina
Prof. Dr. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank – „Gibt es überhaupt Chancen auf einen dauerhaften Frieden?“
Hier finden Sie die Sendung unabhängig vom Sendetermin auf unserem YouTube-Kanal. Der Link führt zu YouTube und dort zum Video. Aus Gründen des Datenschutzes binden wir Videos nicht direkt auf der Seite ein.

Veranstaltung mit TV‑Aufzeichnung: So 7. Mai 2026, 12 Uhr – FORUM St. Peter, Peterstr. 22-26 – Oldenburg
Sendetermin bei Oldenburg eins steht noch nicht fest
Zu diesem Vortrag haben wir auch 13 Fragen aus dem Publikum sowie die Antworten von Meron Mendel dokumentiert. Diese Videos werden derzeit bearbeitet und folgen!
Wem gehört das Land?
Mit klugen Worten und großem Engagement hat der Leiter des Anne-Frank-Hauses Frankfurt, Prof. Dr. Meron Mendel, im überfüllten Forum St. Peter in Oldenburg die Debatte um den Israel-Palästina-Konflikt bereichert. Ein breites Bündnis aus der Oldenburg Stadtgesellschaft hatte ihn für diese dritte Dialogveranstaltung auf der Suche nach Friedensperspektiven für die Menschen im Nahen Osten als Referenten gewinnen können.
Ein breites Bündnis aus der Oldenburg Stadtgesellschaft hatte ihn für diese dritte Dialogveranstaltung auf der Suche nach Friedensperspektiven für die Menschen im Nahen Osten als Referenten gewinnen können.
In der Ankündigung heißt es unter anderem: Wir verschließen unsere Augen nicht davor, was an Terror, Krieg, Gewalt und Verletzung in Israel und Palästina geschieht. Wir möchten die Teile der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft stärken, die für Versöhnung, Entfeindung, Befreiung von Gewalt eintreten.
Die „deutsche Staatsraison“ gilt der israelischen Opposition
Überaus kenntnisreich und mit großer Empathie für die Menschen auf beiden Seiten der Konfliktlinie legte der in Israel geborene Pädagoge und Historiker dar, dass die in der aktuellen aufgeheizten Debatte vielfach beschworene deutsche Staatsraison in Angela Merkels Rede vor der Knesset am 18. März 2008 den Kräften in Israel galt, die sich aktiv für eine Zwei-Staaten-Lösung und eine friedliche Beilegung des jahrzehntelangen Konfliktes eingesetzt hatten. Keinesfalls galt sie, und sollte sie auch noch heute gelten, aber den rechtsextremen Kräften in der heutigen israelischen Regierung oder den völkerrechtswidrig handelnden gewalttätigen Siedlern im Westjordanland. Deren Handeln sei grausam gegenüber der palästinensischen Bevölkerung, aber gleichzeitig auch schädlich für die Menschen in Israel, die in ständiger Angst um ihre Sicherheit leben müssten.
„Kein Frieden ist keine Option“, antwortete Meron Mendel auf eine Frage aus dem engagiert mitdiskutierenden Publikum, wie denn ein Friedensplan für das Land aussehen könne. Das Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer bietet nach Aussage von Professor Mendel ausreichend Lebensraum und Ernährungsgrundlagen, um 7,5 Millionen Juden und ebenso viele Palästinenser:innen in Frieden zu beherbergen. Grundlage dafür sei zunächst die gegenseitige Anerkennung des Lebensrechts der jeweils anderen Gruppe.

Wir brauchen einen neuen Kompass
Insgesamt hat der wohltuend differenzierende Vortrag von Meron Mendel einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, die Komplexität des Themas zu würdigen und gleichzeitig Handlungsoptionen aufzuzeigen. Gerade durch seine Mischung aus faktenreicher Argumentation und anekdotischen Einflechtungen gelang es dem Referenten, seinem Standpunkt eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Aktuell hat sich angesichts der israelischen Kriegsverbrechen in Gaza der Inhalt des Begriffes Staatsräson verändert. Paradoxerweise wird Israel von der rechtsextremen Regierung viel eher in seinem Existenzrecht bedrängt. Auch erinnerte Mendel an das Telefonat Friedrich Merz mit Benjamin Netanjahu, als dieser noch an seinem Wahlabend dem israelischen Ministerpräsidenten einen Besuch in Aussicht stellte. Wohlwissend, dass ein Besuch Netanjahus ein Rechtsbruch mit Ansage wäre angesichts des Haftbefehls des Internationalen Staatsgerichtshofs ihm gegenüber.
Um der Hoffnungslosigkeit aller vor Ort zu entkommen braucht es eine Perspektive. Wenig bis gar nicht hilfreich war in diesem Zusammenhang der Besuch Friedrich Merz Ende 2025 in Israel, denn er hat zwar den Begriff Staatsräson nicht verwendet, aber das Wort Wesenskern. Meron Mendel findet: „Das ist Begriffsklauberei.“ Laut Mendel planen die Rechtsextremen für die Ewigkeit im Unterschied zu dem liberalen Lager, dem humanistischen Lager, denen eine Vision, eine Utopie, fehlt: „Es bedarf einer gegenseitigen Anerkennung für eine friedliche Lösung.“
Begrüßung zur Matinée mit Meron Mendel von Klaus Hagedorn, ökumenisch-katholische Friedensbewegung pax christi-Oldenburg
Ich beginne mit drei Zitaten:
„Ein Machtwille, dem es nicht darum zu tun ist, ‘mächtig‘ zu sein, sondern ‘mächtiger als‘ zu sein, wird zerstörerisch.“
„Es kann heute keinen Frieden zwischen Juden und Arabern geben, der nur ein Aufhören des Krieges wäre; es kann nur noch einen Frieden der echten Zusammenarbeit geben. Unter so vielfach erschwerten Umständen ist es noch heute und mehr als je das Gebot des Geistes, die Zusammenarbeit der Völker anzubahnen.“
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“
Diese drei Zitate klingen für mich so, als wenn sie aktuell gesprochen sind – und als wenn sie konkret im Blick haben: das militärische Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen und im Libanon, die Raketenangriffe auf Israel, die Terroranschläge der Hamas und der Hisbollah, die Lebenssituation der palästinensischen Zivilbevölkerung im Westjordanland, die häufig unzureichend geschützt ist und wo Siedlergewalt und Annexion in einem Klima von Straflosigkeit stattfinden.
Nein, diese Zitate sind nicht aktuell in unseren Tagen gesprochen, gleichwohl sie so klingen. Sie stammen von einem in Deutschland hochgeachteten Religionsphilosophen, der 1938 von den Nazis aus Heppenheim bei Frankfurt vertrieben wurde und zusammen mit seiner Familie nach Jerusalem emigrierte: Martin Buber. Gesprochen bzw. geschrieben hat er sie nach dem ersten israelisch-palästinensischen Krieg – also nach 1948.
Martin Buber war überzeugt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ - auch in Israel-Palästina. Damit „wirkliches Leben“ gelingen kann, braucht es: Dialogbereitschaft; Respekt voreinander; Empathie füreinander; die Fähigkeit zuzuhören, um das Gegenüber zu verstehen; Toleranz gerade dann, wenn Unterschiedlichkeiten stehen zu lassen sind.
Das ist oft sehr herausfordernd. Es ist aber unumgänglich, wenn ein friedliches Zusammenleben werden soll. Alles andere wäre kein „wirkliches Leben“, keine „Begegnung“, sondern wie Buber so oft notierte und selbst erfuhr: „Vergegnung“.
Wer sich dafür einsetzt – für „Begegnung“ in solchem Sinne - wer also deshalb die Teile der israelischen Zivilgesellschaft und die Teile der palästinensischen Zivilgesellschaft stärken will, die sich für Verständigung einsetzen, für Entfeindung, für Befreiung von Gewalt, für Dialogbereitschaft als Haltung, wer diejenigen unterstützt, die sich dem Hass und der Logik von Vergeltung und Rache entgegenzustellen bemühen, der ist kein Antisemit, der tut solches nicht aus einer antisemitischen Grundhaltung.
Hier wirkt etwas Anderes: die Überzeugung von der unantastbaren Personenwürde, von der unantastbaren Würde jedes Menschen. Davon sind alle 13 Mitträger-Organisationen überzeugt, die einen „DialogRaum Israel Palästina“ in unserer Stadt derzeit mitgestalten.
Warum heute dieser Einstieg mit Martin Buber?
Nach Martin Buber ist eine Auszeichnung benannt, die seit 1968 jährlich vom Koordinierungsrat der 82 Gesellschaften für Christlich Jüdische Zusammenarbeit in Deutschland verliehen wird: die Buber-Rosenzweig-Medaille. Und unserem Referenten heute ist diese Medaille zusammen mit seiner Frau Saba-Nur Cheema im Jahre 2025 zuerkannt worden.
Zu Meron Mendel
Herzlich willkommen, lieber Herr Meron Mendel, hier bei uns in Oldenburg. Wir freuen uns sehr, dass Sie zusammen mit Ihren zwei jugendlichen Söhnen den Weg zu uns gefunden haben. Ich will Sie kurz vorstellen:
Sie sind Publizist und Pädagoge, der zu politischer Bildung, zu Fragen der Erinnerungskultur und zur Antisemitismusprävention und Migration forscht. Sie sind in Israel geboren, sind Professor für Soziale Arbeit und Diversität und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Sie plädieren für einen offenen, respektvollen und faktenbasierten Dialog mit Blick auf alles Geschehen in Israel-Palästina. Sie machen darauf aufmerksam, dass und wie sich der Diskursraum bei uns verengt und sich die deutsche Debattenkultur verändert hat.
Sie stehen dafür, wie man unbeirrt Verständigung sucht – auch wie man miteinander Meinungen nicht nur austauscht, sondern einander bisweilen auch zumutet.
Sie stehen für unbedingten Dialog, in dem nicht nur miteinander, sondern füreinander gestritten wird. Sie sind suchend und fragend unterwegs, Sie stehen mit klarer Positionierung, deutlich in der Haltung und mutig in ihren nächsten Schritten.
Sie bringen zum Ausdruck durch Ihr Engagement, dass wir Begegnung aktiv zu suchen haben, um wirklich leben zu können. - Dass wir Argumente schätzen sollten und jeglicher Lüge Hausverbot erteilen sollten. Dass wir zumindest, auch wenn es schwierig wird, Diskurspartner:innen bleiben sollten. Und dies alles nicht in Relativierung der Unterschiede, sondern im Respekt solchen gegenüber.
Dialogbereitschaft ist so notwendig – überall, auch in unserer Stadt. Sie kann Wesentliches beitragen zum Frieden einer Gesellschaft: durch Haltung, konkrete Verständigungsorte und Worte.
Und so dürfen wir Sie jetzt hören zum Thema: „Die deutsche Debatte um Israel-Palästina. Und: Gibt es überhaupt Chancen auf einen dauerhaften Frieden?“ Nach Ihrem Vortrag gibt es eine Gesprächsrunde, moderiert durch Peter Meiwald, den Vorsitzenden der Europäischen Föderalisten in Oldenburg. Beate Ludwig-Henkel vom Ökumenischen Zentrum Oldenburg wird das Schlusswort haben kurz vor 14h, denn um 14:30 fährt Ihr Zug in Oldenburg ab.
Sie haben jetzt das Wort, Herr Prof. Mendel.
„DialogRaum Israel Palästina“
Ein breites Bündnis aus der Oldenburg Stadtgesellschaft lädt 2026 gemeinsam mit der deutschen Sektion der ökumenisch-katholischen Friedensbewegung pax Christ zu Dialogveranstaltungen auf der Suche nach Friedensperspektiven für die Menschen im Nahen Osten ein. In der Einladung heißt es: „Wir verschließen unsere Augen nicht davor, was an Terror, Krieg, Gewalt und Verletzung in Israel und Palästina geschieht. Wir möchten die Teile der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft stärken, die für Versöhnung, Entfeindung, Befreiung von Gewalt eintreten.“
Hier stellen wir euch die bereits veröffentlichten Videos aus unserem Projekt vor, weitere folgen.
Vom Leid in Israel und Palästina. Misereor im Gespräch mit Daniel Shenhar, israelischer Menschenrechtsanwalt von HaMoked. Die Partnerorganisation von Misereor setzt sich für die Einhaltung fundamentaler Rechte in Israel und Palästina ein, auch für die palästinensische Bevölkerung. April 2026 | Themenseite
Combatants for Peace. Eine Begegnung mit Sayel Jabareen und Elie Avidor, zwei Sprechern der Friedensinitiative aus Israel-Palästina. Seit 2006 schaffen die Combatants Raum für Begegnungen, in dem Frieden wieder möglich wird und beugen so weiterer Gewalt vor. April 2026 | Themenseite
Zur Debatte um Israel – Palästina. Prof. Dr. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, zu Gast im Forum St. Peter in Oldenburg zur Frage „Gibt es überhaupt Chancen auf einen dauerhaften Frieden?“ Vortrag und Diskussion. Mai 2026 | Themenseite
Die Sendereihe
Werkstatt Zukunft produziert monatlich eine TV-Sendereihe, die bei Oldenburg eins und bei weiteren Bürgersendern ausgestrahlt wird. Über unsere Website und unseren YouTube-Kanal sind unsere Videos zeitlich und räumlich unbegrenzt zu sehen.
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Werkstatt Zukunft in Kooperation mit vielen Initiativen und Einrichtungen der Zivilgesellschaft in Oldenburg und im gesamten Nordwesten sowie mit Oldenburg eins und weiteren Bürgersendern.



