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„Wenn die Erde heilig ist“
Anna Polášek + Louisa Schneider: Die Freie Waldorfschule Oldenburg fragt, warum indigener Aktivismus weiter denkt als westlicher Klimaschutz
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Anna Polášek, Waldwissenschaftlerin, Aktivistin und Stadträtin in Freiburg im Breisgau und Louisa Schneider, Journalistin und Aktivistin, im Gespräch mit Schüler:innen der 10. Klasse der Freien Waldorfschule Oldenburg über Nachhaltigkeit, unser Verhältnis zur Natur und einen neuen Blick auf Wirtschaft und Verantwortung. In diesem Projekt stellen wir aus den Gesprächen mit unseren Gästen eine Dokumentation zusammen. Die Interviews führen Schüler:innen der 10. Klasse.
Was würde es für Nachhaltiges Wirtschaften in globalem Zusammenhang bedeuten, wenn wir aus der Begegnung mit indigenen Kulturen, aus ihrem Verständnis der Natur und aus ihrem Umgang mit der Erde einen neuen Blick auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft und KLimaschutz entwickeltn könnten? Diesen Fragen gehen wir in diesem Projekt nach und knüpfen an die Erfahrungen der Schüler:innen – etwa aus ihrem vierwöchigen Praktikum auf einem Biohof in Klasse 9 – an. Mehr zum Konzept Ökologischer Bildung an der Oldenburger Waldorfschule:
So grün kann Schule sein. Ökologie und Verantwortung im Konzept der Freien Waldorfschule Oldenburg. Ein Waldtag pro Woche in Klasse 1 und 2, ein großer in Schulgarten, Unterricht auf einem Bio-Hof, später vier Wochen Landwirtschaftspraktikum und vieles mehr. Frühjahr 2024 | Themenseite
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Direktlink | Text zum Projekt: Ein neues Verhältnis zur Erde
Direktlink | Texte von Schüler:innen zum Thema
Videos aus unserem Projekt
Die Schüler:innen haben für die Dokumentation des Projektes Interviews mit unseren Gästen geführt, die wir an dieser Stelle veröffentlichen, sobald sie fertig bearbeitet sind. Diese werden dann im nächsten Schritt mit ergänzenden Erläuterungen zu einer TV-Sendung zusammengefügt.

Ein neues Verhältnis zur Erde als Grundlage globaler Nachhaltigkeit
Unser Fokus liegt in diesem Projekt mit der 10. Klasse der Freien Waldorfschule Oldenburg auf nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft weltweit und was wir dazu aus der Weisheit indigener Kulturen lernen können.
Am Freitag, dem 1. Projekttag, steigen wir gemeinsam in das Thema ein und beziehen dabei auch eure Erfahrungen aus Waldtagen, Gartenbauunterricht und Landwirtschaftspraktikum (vier Wochen in Klasse 9) ein. Am Montag und Dienstag haben wir mit Anna Polášek eine junge Waldwissenschaftlerin aus Freiburg als Gast, die ihre Bachelorarbeit über unser Thema geschrieben hat: „Wenn die Erde heilig ist“ – Warum indigener Aktivismus weiterdenkt als westlicher Klimaschutz – und was wir von ihm lernen können.
Einige Wochen später ist Louisa Schneider in Oldenburg zu Gast. Mit ihr sprechen wir über die Yanomami, ein indigenes Volk im Amazonasgebiet, bei dem Louisa zu Gast war und das im Zentrum von Annas Bachelorarbeit steht.
Wie bei Werkstatt Zukunft üblich, zeichnen wir zum Thema Beiträge für eine TV-Sendung (Oldenburg eins und weitere Bürgersender) sowie für YouTube auf. Im nächsten Schritt fügen wir sie zu einer Dokumentation zusammen.

Ablauf der Projekttage
Am 1. Projekttag haben wir uns auf das Thema eingestimmt und dazu mit Andreas Büttner von Werkstatt Zukunft, der als Pfarrer viele Jahre Religionsunterricht an der Waldorfschule gegeben hat, einen Blick auf die indigene Kultur der Akan in Ghana und auf ihr Verhältnis zur Erde werfen. Begonnen haben wir aber mit Barthel Pester aus dem Werkstatt-Team mit dem „Weltverteilungsspiel“, das die globale Verteilung von Menschen, Ressourcen und CO2-Emissionen veranschaulicht und manche Überraschungen für uns bereit hielt.

Anna war zwei ganze Tage bei uns, so konnten wir sie zu verschiedenen Aspekten des Themas und zu ihrer Arbeit befragen. Sie hat besonders über die Yanomami und ihren indigenen Aktivismus für einen nachhaltigen Umgang mit der Erde gearbeitet und dazu auch für ihre Bachelorarbeit ein Interview mit Louisa Schneider geführt, die dieses Volk im Amazonasgebiet persönlich kennt. Am zweiten Tag ihres Besuches konnten wir eine Reihe von Gesprächen mit ihr aufzeichnen. Das Wetter war günstig und der Schulgarten der Waldorfschule stand uns dafür zur Verfügung.
Das Gespräch mit Louisa werden wir vor ihrem Vortrag im Landesmuseum Natur und Mensch aufzeichnen, so dass wir einen weiteren Beitrag zum Thema in unsere Doku aufnehmen können.

Texte der Schüler:innen vom 1. Projekttag
Hier eine kleine Auswahl von Texten, die einzelne Schüler:innen nach einer Arbeit in Kleingruppen verfasst haben. Leider können wir hier nur einige wenige wiedergeben.
Grundlage war die Beschäftigung mit den Schilderungen von Kofi Edusei in seinem Buch „Für uns ist Religion die Erde, auf der wir leben. Ein Afrikaner erzählt von der Kultur der Akan“ (Stuttgart 1985). Kofi kam in den 80er-Jahren als Geflüchteter aus Ghana nach Deutschland. In Gesprächen mit Jugendlichen hat er von der Kultur seines Volkes berichtet, das aufgrund seiner Tradition einen bewussten Umgang mit Erde und Kosmos pflegt.
In die Arbeit unserer Projektgruppe sind die vielfältigen Erfahrungen der Schüler:innen mit Waldtagen, Gartenbau, Forstpraktikum und Landwirtschaft in ihrer Schulzeit eingeflossen. Mehr zum Konzept der Ökologischen Bilddung der Waldorfschule oben auf dieser Seite.
Da wir am 2. und 3. Projekttag Anna mit einer Darstellung der Yanomami aus dem Amazonasgebiet erwarteten, lag ein erster Einstieg in die Beschäftigung mit dem Reichtum indigener Kulturen anhand eines anderen Weltgebietes, in diesem Fall dem Volk der Akan im afrikanischen Regenwald in Ghana, nahe.
Der Geist der Erde
Text 1
Was bedeutet das? Wie soll man damit umgehen? Und wie verinnerlichen?
Die Erde wird vielleicht oft als ein Objekt oder Gegenstand angesehen und so auch behandelt. Wenn man diese Ansicht ändert, die Erde als ein „Lebendiges“ anzusehen weiß und so auch handelt, kann die Welt sich zu einer besseren Seite verwandeln.
Die Akan-Gemeinschaft sieht die Erde sogar als zweite Gottheit und behandelt diese auch so. In dieser Religion wird vor der Pflanzzeit oder wenn man ein Grab ausheben will etwas für die Erde, für „Asase Yaa“ geopfert.
Meine Meinung ist, wenn man die Erde besser behandeln würde, jetzt auch auf die Landwirtschaft bezogen, würde einiges auf der Welt, auf der Erde sich ändern.
Text 2
Zusammenfassung
Der Text „Der Geist der Erde“ handelt von einem geistigen Wesen namens Asase Yaa, das von den Akan in Ghana als zweite Gottheit gesehen wird. Asase Yaa wird manchmal auch „Aberewa“ genannt, übersetzt „Alte Frau“ oder „Mutter“.
Es gibt weder Tempel noch Schreine, die ihr gewidmet sind, noch Priester, die ihr dienen. An bestimmten Tagen, die ihr bestimmt sind, darf der Boden nicht bearbeitet werden. Ebenfalls ist es verboten, sexueller Handlungen, Selbstmord oder Morde in freier Natur durchzuführen. Dies wird gegenüber Mutter Natur als Sünde betrachtet.
Sie ist auch bekannt als diejenige, die sich für die Wahrheit einsetzt. Immer wenn die Richtigkeit einer Aussage angezweifelt wird, muss derjenige, der sich äußerte, mit der Zungenspitze etwas Erde berühren, um zu bezeugen, dass er die Wahrheit sagt.
Meine Meinung
Ich finde es sehr gut, dass die Erde dort so geachtet wird. Es stellt eine ganz andere Sichtweise in Bezug auf den aktuellen Klimaschutz dar, da im Text die Rede von einem natürlichen Schutz ohne Verbot ist. Dies ist ein großer Fortschritt im Gegensatz zu unserer Bewirtschaftung der Erde, da wahrscheinlich auch keine Pestizide verwendet werden.

Das Wesen Gottes im Glauben der Akan – Der Gottesbegriff der Akan
Text 1
Gott gilt als Herr des Himmels und der Erde, Schöpfer von Menschen und Welt sowie als Spender von Leben, Licht und Lebensunterhalt. Er existiert außerhalb der Zeit und ist daher ewig. Er allein ist groß, allmächtig und unüberwindlich. Gott ist im wesentlichen Geist, unsichtbar und allgegenwärtig.
Gott kann von den Menschen nicht direkt, sondern durch das Wahrnehmen und Würdigen seiner Werke und Taten in der Welt erkannt werden. Dennoch können diese Werke niemals seine wahre Natur oder sein vollständiges Wesen ganz umfassen.
Text 2
Die Akan-Stämme haben ihren ganz eigenen Glauben. Früher nahmen viele Autoren an, dass ihr Glauben einen Ursprung außerhalb von Afrika hatte. Das ist aber falsch. Die Akan haben verschiedene Namen für Gott. Mit diesen besonderen Namen verleihen sie ihrem Gott einzigartigen Ausdruck. In den Namen spiegeln sich die Eigenschaften wider, die sie ihm zuschreiben.
Die Akan respektieren die Unsichtbarkeit Gottes, weswegen sie keine bildlichen Darstellungen von ihm haben. Auch bauen sie ihm keine Schreine oder Tempel, weil sie fest an seine Allgegenwärtigkeit glauben. Dies steht im direkten Gegensatz zu den niedrigen Gottheiten, denen sie viele Tempel und Schreine widmen. Sie glauben, dass die anderen Gottheiten in ihrer Macht und Zuständigkeit begrenzt sind. Sie glauben zudem, dass Gott die Welt und alles auf ihr erschaffen hat.

Blick auf meine Schulzeit
In meiner bisherigen Schulzeit hat mich besonders geprägt das Landwirtschaftspraktikum, der Umgang mit Tieren, das Forstpraktikum und der Gartenbauunterricht.
Während des Landwirtschaftspraktikums hat mich besonders geprägt zum Beispiel die Arbeit mit den Kühen oder mit Ziegen, die Arbeit auf den Feldern oder die Arbeiten beim Hoffest. Es war sehr oft auch anstrengend oder man hatte oft keinen Bock auf die Arbeit. Aber man musste es machen. Im Großen und Ganzen war es eine gute Erfahrung und ich würde es nochmal machen.

Prof. Dr. Meinhard Simon zum Thema
Bei einem Fachtag unserer jungen klima-werkstatt hat der ehemalige Leiter des „Instituts für Chemie und Biologie des Meeres“ (ICBM) und Vizepräsident der Uni Oldenburg im Frühjahr 2025 über unser Projektthema gesprochen.
Ein Zugang zur Erde als lebendiger Organismus, in diesem Fall nicht aus indigener Weisheit sondern in Anknüpfung an europäische Kultur und Tradition. So wie die Ausbeutung der Erde eine lange Geschichte hat, war auch die Pflege der Erde und ihrer Fruchtbarkeit über die Jahrhunderte im Bewusstsein der bäuerlichen Gesellschaft.
Auf der Themenseite stellen wir euch auch weitere Links zur Verfügung.
Die Erde – ein lebendiger Organismus. „Jungen Menschen einen Zugang zur Erde als lebendigem Organismus ermöglichen“, unter diesem Titel hat Meinhard Simon den hier dokumentierten Beitrag beim „Fachtag Ökologische Bildung in Schule“ der jungen klima-werkstatt gehalten. Mai 2025 | Themenseite
Mehr zu diesem Thema bei Werkstatt Zukunft
Mediathek. Landwirtschaft, Ernährung und Ökologische Bildung sind ein Themenfeld, zu dem wir von Anfang an immer wieder berichtet haben. Podien, Interviews, Vorträge aber auch Jugend- und Schulprojekte zu diesem Thema sind ein Schwerpunkt unserer Arbeit, den wir euch hier gerne vorstellen | Themenseite
Projekte mit der Freien Waldorfschule Oldenburg. Hier stellen wir euch Projekte vor, die wir in Kooperation mit der Freien Waldorfschule Oldenburg zu Themen wie Globale Gerechtigkeit, Ökologische Bildung und Demokratie durchgeführt haben | Themenseite
Nachhaltiges Wirtschaften – global und gerecht: Alle Videos aus unserem Projekt im Überblick
Hier stellen wir euch die bereits veröffentlichten Videos aus unserem Projekt vor. Insgesamt planen wir in den Jahren 2026 bis 2027 dreizehn Schulprojekte und schulübergreifen Einzelbeiträge aus unserer Netzwerkarbeit – siehe unten.
Perspektivwechsel – Projektwoche 2026 der Freien Waldorfschule Oldenburg
Kumar Ashish – Nepal. Kumar Ashish ist in Nepal und Indien zu Hause und lädt uns ein, die Frage globaler Gerechtigkeit aus der Sicht Asiens in den Blick zu nehmen. „Perspektivwechsel“ ist ein Projekt im Rahmen der Oberstufen-Projektwoche der Freien Waldorfschule Oldenburg. Juni 2026 | Themenseite
Thamie Ndunana und Laila Qarbi – Südafrika. Zu Gast aus Südafrika von der NGO Masifunde ist Thamie Ndunana und Laila Qarbi aus Herford, die Politikwissenschaft und Soziologie studiert hat. Laila geht dann für drei Monate zu Masifunde. Sie berichten über ihr Projekt im ASA-Programm. Juni 2026 | Themenseite
Juan José Trujillo – Kolumbien. Juan ist zwischen Kaffeepflanzen groß geworden und hat dort, in den kolumbianischen Anden, ein großes Wissen über den Kaffeeanbau und das Zusammenspiel zwischen Natur und Bauern erlangt. Er möchte alle Prozesse optimieren und nachhaltig gestalten. Juni 2026 | Themenseite
„Wenn die Erde heilig ist“ – Nachhaltigkeit global: Freie Waldorfschule Oldenburg
„Wenn die Erde heilig ist“. Anna Polášek, Waldwissenschaftlerin + Louisa Schneider, Journalistin: Aktivistinnen im Gespräch mit Schüler:innen der Freien Waldorfschule Oldenburg über Nachhaltigkeit, unser Verhältnis zur Natur und einen neuen Blick auf Wirtschaft und Verantwortung. September 2026 | Themenseite
Nachhaltiges Wirtschaften – Netzwerkprojekte schulübergreifend
Staatssekretär Johann Saathoff, BMZ. Die Entwicklungszusammenarbeit steht vor historischen Einschnitten: Weltweit werden Mittel gekürzt obwohl der Bedarf an Hilfe für Hungerbekämpfung, Gesundheitsversorgung und Ernährungssicherheit wächst. Schüler:innen im Gespräch mit ihm. Juni 2026 | Themenseite
Maruan Florencio – Brasilien. Maruan ist Sänger, Komponist und Interpret, der den Reggae als Ausdrucksform und als Verbindung zum Publikum nutzt. Beruflich schützt er die natürlichen Grundlagen seiner Heimatregion durch die Leitung eines Netzwerkes von Kläranlagen. Juni 2026 | Themenseite
Die Sendereihe
Werkstatt Zukunft produziert monatlich eine TV-Sendereihe, die bei Oldenburg eins und bei weiteren Bürgersendern ausgestrahlt wird. Über unsere Website und unseren YouTube-Kanal sind unsere Videos zeitlich und räumlich unbegrenzt zu sehen.
Förderer „Nachhaltiges Wirtschaften – global und gerecht“
Gefördert durch Engagement Global... | Website
...mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung | Website
...und durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung | Website
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Werkstatt Zukunft in Kooperation mit Schulen in Oldenburg und im gesamten Nordwesten sowie mit Oldenburg eins und weiteren Bürgersendern.












